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Die deutsche Stabhochspringerin Yvonne Buschbaum outetete sich 2007 als Transmann. Inzwischen fühlt Balian sich nach einer Hormonbehandlung und der anschließenden geschlechtsangleichenden OP im richtigen Körper angekommen. Nach seinem ersten biografischen Buch Blaue Augen bleiben blau“ erschien Anfang März sein zweites Buch Frauen wollen reden Männer wollen Sex“. Ab 5. April ist er als Teilnehmer im der Tanzshow Let’s dance“ dabei.

Schwulissimo: Vor einigen Tagen hast du deinem Schützling Katharina Bauer bei den 60. Deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund die Daumen gedrückt. Kommen da Wehmut und Erinnerungen hoch?

Balian: Ach, Wehmut würde ich nicht sagen. Natürlich erinnere ich mich an meine Zeit als aktiver Leistungssportler, aber ich trauere dieser nicht nach. Ich hatte meine Zeit und habe viel daraus gelernt. Schließlich habe ich meine Karriere beendet, um nun jeden Tag in körperlichen und seelischen Einklang mit mir Olympia zu feiern.

Schwulissimo: Du hast dich 1999 als deutsche Meisterin im Stabhochsprung mit der Rekordhöhe von 4,42 m in die Lüfte geschraubt. 2003 betrug deine Höhe sogar 4,70 m. Wie lebt es sich jetzt, wenn man mit beiden Beinen auf dem Boden steht? Brauchst du ab und zu was zum Abheben“?

Balian: Wenn es mich überkommt und ich Lust drauf habe, springe ich hin und wieder mal mit im Training. Ich fliege ja auch ab und zu mal mit dem Flugzeug, da hab ich dann auch nicht beide Beine am Boden und die Tassen ebenfalls nicht im Schrank. Abheben können wir jeden Tag, wenn wir es wagen, das Leben nicht allzu ernst zu nehmen.

Schwulissimo: Am 7. März erschien nach Blaue Augen bleiben blau“ dein zweites Buch. Hat sich die Farbe deiner Augen verändert?

Balian: Soweit ich das heute Morgen im Spiegel betrachten konnte, sind sie immer noch blau. In meinem zweiten Buch geht es um das Thema: Frauen wollen reden Männer wollen Sex“. Jung, indem er von Anima und Animus, dem Weiblichen im Mann und dem Männlichen in der Frau sprach. Viele sind sich dessen aber nicht bewusst oder lehnen einen Teil ab. In mir steckten immer schon genauso viele männliche und weibliche Elemente wie heute, mit dem Unterschied, dass mein Körper jetzt meinem immer schon gefühlten männlichen Geschlecht entspricht.

Schwulissimo: Bisher kannte man dich als Athlet, der sich in die Lüfte schwingt, ab 5. April drehst du dich im Kreis: Du wagst dich bei der neuen Staffel von Let’s dance“ auf die Tanzfläche. Sind Tanzproben anstrengender als Hochsprung Training? Hattest du jemals Tanzerfahrungen? Und mit wem tanzt du?

Balian: Ich bin ein Tanz Frischling. Tatsächlich hatte ich es nie geschafft, einen Tanzkurs zu machen. Immer dann, wenn meine Klassenkameraden einen Kurs absolvierten, war ich auf Wettkämpfen oder im Training unterwegs. Heute freue ich mich, dass ich mir diesen Wunsch erfüllen kann. Tanzen ist Sport. Tanzen bedeutet für mich auch Freiheit. Meine Tanzpartnerin ist Sarah Latton.

Schwulissimo: Folgt nach dem Tanzen das Promi Dinner“, Der Bachelor“ oder springst“ du sogar in den Dschungel“?

Balian: Angebote bezüglich Promi Dinner und Dschungelkamp habe ich schon abgelehnt. In diesen Fernsehformaten ist mir zu viel Show und zu wenig realer Mensch im Programm. nach Brigitte Bardot und Boris Becker nun auch Balian Buschbaum zu einem A Promi?

Balian: Was ist ein A Promi und kann man das essen? In meinen Coachings bringe ich Menschen bei, dass immer dort, wo eine Wertung entsteht, diese Wertung auch automatisch Unglück bedeutet. Es macht keinen Sinn, pfel mit Birnen zu vergleichen, denn jeder Mensch ist einzigartig und besonders. Wenn man allerdings seine Birne in der Besenkammer nicht im Griff hat, sollte man sich über die Apfelernte nicht wundern.

Schwulissimo: Bei der Vorbereitung zur Teilnahme an den Olympischen Spielen 2004 in Athen riss dir die Achillessehne. War das im Nachhinein gesehen Glück im Unglück oder doch eher Schicksal?

Balian: Alles, was man auf seinem Weg durchs Leben erfährt, hat wohl einen Sinn. Die gerissene Achillessehne hat mir ermöglicht, vieles in meinem Leben zu hinterfragen, und mich gezwungen, ganz in mich zu gehen. Dieser Riss war zwar schmerzhaft, doch daraus habe ich gelernt, dass jeder Zusammenbruch auch einen Neuanfang bedeutet.

Schwulissimo: Dir war bewusst: Diesen Schritt musst du alleine gehen. War dir auch bewusst,
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dass laut Xavier Naidoo Dieser Schritt nicht einfach sein wird“?

Balian: Solang wir in der Gegenwart an die Zukunft denken und mutmaßen, dass dies oder jenes nicht einfach sein wird, verpassen wir die Schönheit jedes Augenblicks. Es stimmt nicht, dass irgendein Schritt schwierig ist, wenn du ihn tätigst und ganz in deinem Tempo vorgehst, dann wird kein Berg zu hoch und kein Weg zu anstrengend sein.

Schwulissimo: Du hattest immer schon Freundinnen mit sehr verständnisvollen Eltern. Warst du für andere nicht einfach eine Lesbe?

Balian: Die Menschen, die mich kennen, haben mich immer schon als Mann wahrgenommen. Was ich für jene war, die sich nie tiefer mit mir unterhalten haben, weiß ich nicht und das ist mir auch egal.

Schwulissimo: Dein Outing als Transmann erfolgte im November 2007. Inzwischen wirst du von vielen Menschen darüber definiert. Werden da nicht die Leistungssportlerin und der Mensch Buschbaum zu einseitig betrachtet?

Balian: Wie andere Menschen mich definieren, bleibt ihnen überlassen. Wichtig ist doch nur, worüber ich mich definiere. Zunächst glaube ich, dass egal, was ein Mensch in der Vergangenheit erlebt hat, er sich für nichts schämen braucht. Ich bin ein ganz normaler Mann mit einem etwas anderen Werdegang. Ich identifiziere mich auch nicht als transsexuell. Dies ist ein Begriff, den die Gesellschaft benötigt, um Menschen in Schubladen zu stecken. Ich arbeite seit Jahren daran, dass wir dieses Schubladendenken sprengen. Jeder Mensch hat sein Päckchen zu tragen. Ich verstehe, dass mein Werdegang für manche Medien als Sensation erscheinen kann, allerdings nur dann, wenn man diesen Weg oberflächlich betrachtet. Um mich zu verstehen, sollte man einen Ausflug in die Biologie wagen, um zu wissen, wie Transsexualität überhaupt entsteht. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass unser Geschlecht im Gehirn festgelegt wird und NICHT zwischen unseren Beinen abgelesen werden kann. Die Natur kreiert und geht auch im Tierreich spielerisch mit allen ihren Kreationen um. Warum auch nicht beim Menschen? Ich empfinde es mittlerweile schon als langweilig, wenn meine Vergangenheit ständig thematisiert wird. Letztendlich ist niemand von uns seine Vergangenheit, denn wir leben alle im Hier und Jetzt. Ich stelle euch ja auch nicht als Journalisten vor, die sich zum Beispiel vor vier Jahren haben Fett absaugen lassen oder sich eine Fußwarze entfernen ließen.

Schwulissimo: Exakt ein Jahr später hast du den Schritt in eine Potsdamer Privatklinik gewagt, Gott schuf aus Adams Rippe eine Frau. Dein Arzt schuf aus einem Teil deines Unterarmes deinen Penis. Wem ist was besser gelungen?

Balian: Naja, soweit ich weiß, wurde Eva aus der Rippe geschaffen, weil Adam mit seiner ersten Frau nicht klar kam. Mein Penis ist ja sozusagen Erstgeborener. Ich bin froh über die Möglichkeit, ein normales Sexualleben zu führen und fühle mich frei und glücklich, wenn ich mich an den FKK Stränden dieser Welt sonne.

Schwulissimo: In deinem neuen Leben als Mann bist du ja jetzt ungefähr ein fünfjähriger Junge. Feierst du jetzt zwei Mal im Jahr Geburtstag?

Balian: Mein wirkliches Leben hat vor fünf Jahren begonnen. Wenn man diese Zeit in Hundejahre rechnet, dann passt es nahezu zu meinem wahren Alter.

Schwulissimo: Welche Erfahrungen, mit denen du vorher nicht gerechnet hattest,
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konntest du als Mann machen?