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At The Drive In

Dort, wo normalerweise Cowboys ihre Marlboro inhalieren und schon mal Viehtreiber zu Präsidenten gemacht werden, war in den 90ern eine Band beheimatet, die so gar nicht ins erzkonservative Texas zu passen schien: At The Drive In gründen sich 1994 in El Paso.

Jim Ward (Gitarre), Omar Rodriguez (Gitarre), Paul „Pall“ Himojos (Bass), Cedric Bixler (Gesang) und Tony Hajjar (Schlagzeug, ab 2016 auch bei Gone Is Gone) spielen jedoch erst ab 1997 zusammen. Musikalisch hauen At The Drive In richtig aufs Schnitzel und präsentieren sich live als Band mit unbändiger Spielfreude und sagenhaft roher Energie. onen entfernt vom simplen 1 2 3 4 vieler Punk Bands findet der Freund alternativer Rockmusik Ende der 90er bei den Texanern aus ‚Hell Paso‘ vielschichtige Klangstrukturen und überraschende Breaks.

Sänger Cedric erinnert zwar zuweilen an Zack De La Rocha, ohne sich jedoch der Gefahr eines Kopisten des Ex Rage Against The Machine Frontmanns auszusetzen. Auch beim Sound des Fünfers erkennt man die eine oder andere Verwandtschaft zu manchen Kollegen, aber die unwiderstehlichen Grooves und der sprichwörtliche Tritt in die Weichteile sind die Basis ihres Stilmixes.

1994, als die erste Single „Hell Paso“ in Eigenregie erwscheint, müssen sie sich noch Gehör verschaffen. Die ’94er Tour führt sie unter anderem nach Los Angeles, wo sie vor der Megakulisse von neun Besuchern ein derbes Feuerwerk abfackeln. Einer davon ist Blaze James, zufällig ein Mitglied der Plattenfirma Flipside, der At The Drive In spontan einen Vertrag für ein Album anbietet. Nach diversen Umbesetzungen steht auch das Line Up und Omar konzentriert sich nach Tonys und Palls Einstieg um sechs statt vier Saiten.

Kommerziell kann die Band jedoch kaum vom bescheidenen Erfolg leben und nachdem Flipside pleite geht, rechnen selbst die Bandmitglieder nicht mit einer weiteren Veröffentlichung. Aber ausgerechnet Fearless, ein Label, das sich sonst nur mit Pop Punk beschäftigt, nimmt die Gruppe unter Vertrag.

At The Drive Ininter aliaIntensiv wie eh und je.

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Dem Zweitling „In/Casino/Out“ folgt eine endlose Tour, bei der sie auch für größere Acts wie Fugazi oder Sonic Youth eröffnen. Ein Labelwechsel hin zu Den Records folgt und gerade als sich die Band auf die Aufnahmen vorbereitet, flattert ein Support Angebot der Get Up Kids rein. Für passionierte Musiker gehört es sich,
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live zu spielen und so lassen sich At The Drive In nicht lange bitten. Danach klingelt erneut das Telefon, und diesmal bitten Rage Against The Machine zum Tour Tanz. So ganz wohl fühlen sich At The Drive In auf den großen Stadionbühnen zwar nicht, aber eine wertvolle Erfahrung ist es allemal.

Als endlich die Sessions für den dritten Longplayer beginnen, gibt es erneut Turbulenzen. Den Records wird von Virgin geschluckt und At The Drive In landen bei Grand Royal, das, welch Glück, von Mike D. (Beastie Boys) geführt wird. Mit „Relationship Of Command“ erscheint im Herbst 2000 ein Album, das zehn Jahre später in jeder ernstzunehmenden Liste der besten Rockalben des Jahrzehnts auftaucht.

Wieder startet die Band eine Mammuttournee. Währenddessen beschleunigen sich die Ereignisse: Ihr Video geht bei MTV auf Heavy Rotation, Musikmagazine stehen Schlange, jedes Konzert in den viel zu kleinen Locations ist binnen Minuten ausverkauft (oft stehen 1.000 Fans vor 300 Leute fassenden Clubs) und das Album steigt in den Charts unaufhaltsam nach oben. At The Drive In sind auf einmal ‚Heavy Tip‘ im Media Markt um die Ecke und die Stars der Alternative Szene.

Der Hype wird der Band bald zu viel, die Konzerte versinken im Chaos. At The Drive In empfinden es zusehens als unmöglich, den Heerscharen an Zuschauern ihre ‚Tough Guys out, good guys in‘ Attitüde (kein Stagediving und erst recht kein Moshpit) zu vermitteln. Nach einem vergeblichen Versuch, ihr Stagedive Verbot einem australischen Festivalpublikum von 40.000 Menschen zu erklären, bricht die Band die Show entnervt nach vier Songs ab.

Aktuelles InterviewAt The Drive In“Jim war nicht bereit“Tony Hajjar über klare Ziele, musikalische Schubladen und grenzenlose Dankbarkeit.

Im Februar 2001 ist man des ganzen rgers überdrüssig: Mitten in der laufenden Deutschland Tour verkünden At The Drive In für alle Beobachter überraschend eine längere Bandpause.

Kurz darauf werden mehrere Seitenprojekte bekannt: Die dubbigen De:Facto (mit Cedric Bixler und Omar Rodriguez, die Mitte 2001 ein Album veröffentlichen), Sparta (mit Jim Ward, Paul Himojos und Tony Hajjar) und The Mars Volta (wieder mit der Afro Fraktion Cedric und Omar). Die Nebenprojekte nähren natürlich die Gerüchte um einen ATDI Split, der Ende September 2001 schließlich offiziell bestätigt wird.

Vier Jahre nach dem Split erscheint mit „Anthology: This Station Is Non Operational“ eine chronologisch geordnete Best Of. Die CD enthält außerdem vergriffene B Seiten, Remixe und Coverversionen.

Als weiteres berbleibsel aus den Annalen der Band erscheint 2008 eine frühzeitliche Kollaboration zwischen Omar Rodriguez Lopez und dem 2003 an Heroin gestorbenen Mars Volta Ton Engineer Jeremy Ward. „Omar Rodriguez Lopez Jeremy Michael Ward“ entstand unmittelbar nach dem Split und noch vor Mars Voltas „Tremulant“ EP. Die elfteilige CD war bis dahin nur in Kleinstauflage an Freunde verteilt worden und enthält äußerst experimentelle Ambient Noise Collagen.

2009 spricht Cedric erstmals in einem Interview das Wort Reunion aus: Man rede wieder miteinander und wolle alte Zöpfe und Verletzungen aus der Welt schaffen. Während Omar zustimmt, erteilt Ward umgehend eine Absage. Es geschieht . nichts. Erst drei Jahre später folgt urplötzlich die Ankündigung zweier ATDI Auftritte im April 2012 beim kultigen Coachella Festival in der kalifornischen Wüste.

Erst vier Jahre später kündigen At The Drive In Anfang Januar 2016 eine Welttour und sogar neue Musik an. Jedoch steigt Gründungsmitglied Jim Ward aus der Band aus,
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den man durch den Sparta Gitarristen Keeley Davis ersetzt. Mit dem starken „inter alia“ (2017) im Gepäck kommen At The Drive In auch für zwei Termine nach Deutschland.