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Review von Karim Chughtai

Keine neun Monate lässt Nashvilles Hipp Hupfdohle Nummero eins die Fan Demenz auf einen Nachfolger ihres Debüts warten. Warum auch? Das Leben ist schließlich eine gottverdammte Partey! Tik Tok, like totally! Geradezu verantwortungslos wäre es, alle Feste dieser Erde ohne Anleitung und Soundtrack des Glitzer Girlies ihrem eigenen Schicksal zu überlassen.

Mit Ke$ha lässt sich die töfte Sause einfach doppelt so knorke abfeiern. Wer stört sich schon bei der exzessiven Halli Galli Alkopops Orgie daran, dass „Cannibal“ ursprünglich als „Animal“ Limited Edition Material vorgesehen war? Hauptsache der Südstaaten Pop Trampel kann noch mit ein paar Feiertipps um sich werfen, bevor die zurückgebliebene Hörer und potentielle Käuferschicht beginnt, Geschmack zu bilden. So lautet das Alibi des eigenen Existenzminimums simpel: „It’s $TILL party time“. Und diese Party überlebt nicht mal Duff Man.

Bevor Sellout Vorwürfe laut werden, entschloss sich das Management für den cleveren Zug „Cannibal“ zwar als EP zu betiteln, aber natürlich regulär als LP zu verkaufen. Output und Fans schenken sich an Stupidität eh nichts, denkt man sich wohl, dann stört sich auch niemand daran, dass gerade mal acht neue Stücke vorliegen (die wohlgemerkt den Ausschuss des Debüts bilden) plus drei Musikvideos. Da interessant die Frage: Kann sich „Animal“ in seiner Dämlichkeit doch noch übertreffen?

Hier zeigt sich der einzige Fortschritt es gelingt tatsächlich noch stumpfsinniger. Für „Animal“ sei kurz an den Pulitzer Beitrag von Kollegin Fromm erinnert: “ Eine zugedröhnte, Glitter kotzende, nackte Schlampe in eine US amerikanische Flagge gewickelt, wie sie einem aus dem Booklet anspringt, illustriert das Gebotene recht treffend“. Das unterschreibe ich sofort, auch gerne mit Blut, falls erwünscht.

„Cannibal“ ist eine Frechheit, die nicht nur voreilig veröffentlicht wurde, sondern auch unverblümt und schamlos auf den geneigten Fan scheißt. Nicht nur, dass es sich um ein überproduziertes, mit Mainstream Schablone gefertigtes Volksfest grottiger, kalkuliert gefertigter, herzloser Popmusik handelt. Es zeigt sein liebloses Inneres mit jeder Zeile, jedem Beat Pattern, jedem Versuch einer Daseinsberechtigung direkt und unmissverständlich auf.

Tracks werden überladen, Plug Ins und Presets als Konstanten ausgeschöpft, Effekte (es lebe der gute alte Pitch Knüppel), die bereits 2009 überholt waren, werden einfach weiter vergewaltigt und ausgelutscht. Ein paar unnötige Filter tun den Rest, das ärmliche Stimmvolumen der durchgerockten Country Kehle zu kaschieren.

Das Traurigste ist die Vorhersehbarkeit aller Stücke. Der Unterschied der einzelnen Tracks liegt nur in den Songtiteln selbst. Zwar reicht die inhaltliche Spannweite tatsächlich von Party bis Lipgloss bis Boys trotzdem klingen alle Songs wie Klone eines Ke$ha Prototyps. Acht Takte Intro Beat, Einsatz hip hoppigen Gesangs: Pünktlicher als das gesamte Maurerwesen folgen die billigen Synthieflächen für die interne Prime Time, dann beginnt das Schema von vorn.

Mal erinnert der unausgegorene Quark an Katy Perry („Crow A Pear“, „The Harold Song“), kupfert von Rihanna ab („Cannibal“), klaut als Lady Gaga Lemming von Benny Benassis „Satisfaction“ („Blow“) oder versucht hippsterhalber und ungelenk Ed Banger Dame Uffie nachzueifern („We R Who We R“).

Dass das alles so tanzbar, so fetzig, peppig, keck, crazy und partytauglich dahertorkeln mag, ist gar nicht zu bezweifeln. Die Frage ist von welcher unterirdischen Partymeile das arme Püppchen eigentlich die ganze Zeit redet. Nashville, Heimat des Alk Komas? Eine Disco auf dem Planet der Affen? Ein Festival im Zombieland?

„Hot and dangerous. If you’re one of us, then roll with us. ‚Cause we make the hipsters fall in love. And we’ve got hot pants on enough. And yes of course because we’re running this town just like a club. And no, you don’t wanna mess with us. Got Jesus on my necklace“ („We R Who We R“). Kein Kommentar.

Ganz gleich wie erbärmlich und hohl das Konzept des Albums ist, es ist insofern stringent. Wer den Schrott dazu noch geballt braucht, trifft mit der Deluxe Edition definitiv ins Schwarze.
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