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Selbstmord ist ein gesellschaftliches Tabu. Jenseits des aktuellen Anlasses ist es ein Thema, dass sehr viele mittelbar oder unmittelbar betrifft. Und ein Thema, über das normalerweise kaum gesprochen wird. Dafür gibt es gute Gründe. Ich denke, man muss trotzdem darüber schreiben. Warum?

Stefan Niggemeier hat über den Werther Effekt geschrieben, dass Selbstmord ansteckend sei und die Medien seit einer Woche daran arbeiteten, Zahl der Selbstmorde in Deutschland in die Höhe zu treiben. gibt dazu ein prominentes Gegenbeispiel: Kurt Cobain. Als der Selbstmord von Kurt Cobain publik wurde, befürchteten Experten einen rapiden Anstieg der Selbstmordquote. Einerseits auf Grund der Bekanntheit Cobains, andererseits, weil unter seinen Fans viele Suizidgefährdete vermutet wurden. Viele Forscher haben sich die Mühe gemacht, die Statistiken zu überwachen.

Es kam zu einigen Suiziden, die direkt Bezug nahmen auf Cobain. Es blieben Einzelfälle. Tatsächlich sanken laut Berman et al. [pdf] die Suizide in der Folgezeit, vor allem unter den als kritisch erachteten Bevölkerungsschichten. Uwe Gonther schreibt:

Sie führten hypothetische Erklärungen an, so etwa, dass es der Polizei und den Kriseninterventionskräften in Seattle sehr früh gelungen sei und die Medien gut mitgespielt hätten, die künstlerischen Errungenschaften Cobains zu würdigen und gleichzeitig die Suizidhandlung nicht zu glorifizieren, sondern vielmehr unter Zuhilfenahme der wütenden ußerungen der Witwe das Verhalten als negativ darzustellen.

Es gibt verschiedene Versuche, den Selbstmord Cobains zu deuten, so wie es verschiedene Versuche gibt, Hypothesen aufzustellen, die den Rückgang der Suizide unter den Risikogruppen erklären. Es wird angenommen, dass die heftige Reaktion Courtney Loves auf den Tod ihres Mannes auf viele Fans kanalisierend und auf viele Selbstmordgefährdete abschreckend gewirkt hat. Außerdem wurde Courtney Love nach dem Tod Cobains von einigen Fans zum Hassobjekt deklariert, da sie ihn in den Tod getrieben habe, was wiederum viele Aggressionen auf sie umlenkte. Auch die Tatsache, dass schon kurz nach dem Suizid verschiedene Verschwörungstheorien kursierten, es habe sich gar nicht um Selbstmord gehandelt, sondern um Mord, könnte als eine Art Ventil gedient haben.

Gleichzeitig wird immer wieder darauf hingewiesen, wie verantwortungsvoll die Medien gehandelt hätten: Cobain sei nicht mystifiziert worden. Unter anderem wird die Veröffentlichung von Cobains völlig entstellten Schädels als Beispiel für Entmysthifizierung genannt: im krassen Gegensatz zum bei Stefan Niggemeiers verlinkten Text, man solle zu Suizidmethode und Suizidort vermeiden Literatur ist voll von Hypothesen, warum Cobains Tod keinen Werther Effekt gezeitigt habe. Ich bin kein Fachmann und kann nicht alle Fakten genau einordnen, außerdem reichen ein paar Stunden Recherche nicht, um sich auch nur annähernd einen berblick über den Forschungsstand zu verschaffen; trotzdem kommen mir Zweifel an der Empfehlung, am besten gar nicht über Suizide zu berichten.

Es ist ohne Frage richtig, darüber zu diskutieren, wie man über Selbstmorde schreibt. Wie man daran arbeiten kann, nicht die Zahl der Selbstmorde in die Höhe zu treiben. Ich glaube aber nicht, dass eine angemessene Antwort ist.

Der Vorwurf, darüber hätte ich vor diesem Artikel eingehender Gedanken machen können (wie hier formuliert), ist berechtigt. Ich war im Nachhinein überrascht und erschrocken, wie heftig die Reaktionen wurden.

Ich sage, Kurt Cobain war auch ein Einzelfall. Warum weiß ich nicht. Ich kann mich aber erinnern, seinen Tod in der Tagesschau und in Tageszeitung des Folgetages gemeldet bekommen zu haben. Keine 32948023849 Sondersendungen o. ä.

EDIT: Ystgaard sagt es selbst: the media displayed care and responsibility in their reporting. kannst einen Depressiven mit Medikamenten und einer begleitenden Therapie vom Selbstmord abhalten, aber nicht mit einer Entmythisierung. Das ist wie Raucher mit Fotos von Raucherlungen zu konfrontieren. Dann ist doch genau das die interessante Frage: Warum war es ein Einzelfall?

Ich habe keine inhaltliche Analyse zum medialen Verhalten finden können: gerade bei MTV wäre das interessant gewesen, aber offensichtlich gibt es die nicht.

Und: Die Aufgabe der Berichterstattung überschneidet sich nicht mit der eines Psychologen. Bestenfalls erreicht ein Artikel, dass ein depressiver Suizid Gefährdeter zum Psychologen geht, oder dass ein ihm Nahestehender auf das Problem aufmerksam wird. Heilen muss ihn der Arzt. Genau die Einstellung führt dazu das viele schon nach kurzer Zeit nicht mehr zum Arzt gehen. Hier gibt es eine Brücke wo regelmäßig Leute runterhüpfen. Zeitungen berichten nicht darüber. Mit wem kann man reden über Selbstmord oder Depris? Irgendeiner Hotline oder Psychologen, sonst niemanden. Aber malte hat schon immer viel Müll geredet.

17.11.2009 um 17:29 ich glaube, was hier ganz einfach falsch dargestellt wird, ist die rolle cobains, der erst posthum wirklich berühmt wurde. zu seiner zeit war er zwar bekannt, aber trotzdem nur ein sänger einer indierockband, die zwar in ihrem metier superstars waren, aber kaum auf großer gesellschaftlicher ebene als identifikationsfigur dienen konnten. ich war bei cobains tod in der pubertät, und aus meinem gesamten bekanntenkreis gab es vielleicht zwei, die das wirklich tragisch fanden. der rest dachte sich eben ok, einer weniger das wird zwar heute nicht gern gehört, aber damals war cobain nicht der messiahs sämtlicher jugendlicher, die dann, gemäß dem werther effekt ihm unbedingt folgen mussten/wollten.

cobain war einfach, aus der totale gesehen, eine ziemlich kleine nummer. daher hinkt der vergleich hier etwas wie ich finde.

17.11.2009 um 18:17 Ich finde es gut, dass die abgewürgte Diskussion noch einmal aufgenommen wird. Den Dialog auf dem Stralau blog finde ich gut, nicht so laut und kurzatmig wie hier. Ich verstehe jetzt Fred Position besser. Die Berichterstattung im Fall Cobain scheint ein gutes Beispiel zu sein. Fred ich stimme voll mit dir überein, dass Schweigen vielleicht gar Vertuschen nicht die richtige Lösung ist.

Sicherlich ist die Berichterstattung der einzelnen Todesfälle zu diskutieren. ber welche Fälle soll überhaupt berichtet werden? ber die berühmten, die spektakulären, oder die zweifelhaften? Ich denke nur die zweifelhaften. Dort wo die ffentlichkeit ein Interesse an den Umständen hat. War es eventuell doch ein Mord? Sind die Ermittlungen unbeeinflusst?
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