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Am 27. Basketball Bundesliga besiegelt. Die sportliche Entscheidung war bereits am vorletzten Spieltag mit dem 93:74 Auswärtssieg bei der SG BG/USC München II gefallen. Mit einem Vorsprung von zwei Punkten und dem jeweils gewonnenen direkten Vergleich war der Post SV den Verfolgern aus Möhringen und Ludwigsburg uneinholbar enteilt. Diese beiden Spieler allein erzielten 733 Punkte (Kämpf: 406, Chapman: 327) der 1602 Punkte in der zweiten Bundesliga. Kämpf ist bis heutemit unglaublichen 6.483 Punkten in 336 Bundesliga PflichtspieleBayreuths erfolgreichster Schütze aller Zeiten. Der Point Guard wurde im Aufstiegsjahr gerade 20 Jahre alt und war dort bereits Denker und Lenker im Spiel der Oberfranken und lief später in seiner Karriere sogar drei Mal für Deutschland auf. Nach seiner aktiven Zeit übernahm er einige Trainerposten, darunter von 1998 bis 2002 beim BBC Bayreuth und 2005 bis 2009 beim FC Bayern München.

Jon Chapman hatte vor seiner Bayreuther Zeit bereits Erfahrungen in der höchsten deutschen Spielklasse unter anderem in Koblenz gesammelt. Seine College Zeit verbrachte er an der damals dominierenden UCLA, die der legendäre Coach John Wooden zu zehn College Meisterschaften in den 60ern und 70ern führte. Zu Chapmans Mitspielern gehörte unter anderem Kareem Abdul Jabbar, dem besten NBA Scorer aller Zeiten. Mit einem Lächeln im Gesicht erinnert sich Chapman, dass er ihn sogar im Training einmal blocken konnte und das trotz seiner nur 1,98 m gegenüber den 2,18 m der NBA Legende. In Deutschland spielte Chapman meistensunter dem Korb als Center konnte aber durch seine Wurftechnik auch außerhalb der Zone abschließen.

Der Kontakt zu Chapman kam damals über das Management vom SSC Göttingen zustande. Eine Zeit, in der es noch keine Agenten für die Spieler oder E Mails gab, um Kontakt zu Spielern herzustellen. Bayreuth rief Chapman in Kalifornien an, der nach seinem Jahr in Koblenz wieder in Europa spielen wollte und lockten ihn schließlich erfolgreich nach Deutschland. Die Spieler erinnern sich aneine Mannschaftssitzung in der damaligen Stammkneipe der Spieler, in der es darum ging, obman den Amerikaner in die Mannschaft holen wollte. Die Entscheidung fiel zugunsten Chapmans aus und der Rest ist Geschichte.

Weniger Geld, mehr Sport

In den Gesprächen mit den Spielern wird schnell klar, dass die Zeit von damals mit dem heutigen Profisport nicht viel gemeinsam hat. Außer dem Amerikaner früher war lediglich ein Ausländer im Kader erlaubt studierten fast alle Spieler in Würzburg, Bamberg oder Bayreuth und reisten extra zu den drei! Trainingseinheiten pro Woche nach Bayreuth. Erst in der Bundesliga gab es neben ein wenig Spritgeld eine kleine Aufwandsentschädigung und selbst Chapman arbeitete nebenbei beieinem großen Kaufhaus in Bayreuth in der Sportabteilung. Nach ihrer Karriere ergriffen die meisten Spieler ganz normale Berufe. Interessanterweise wurde über die Hälfte der Mannschaft Lehrer.

Der Trainer Peter Müller, der bereits in Bamberg selbst Bundesliga spielte, coachte die Mannschaft im zarten Alter von 23 Jahren. Die Vorbereitung auf die Gegner gestaltete sich ohne Scouting Videos oder Box Scores schwierig. Man wusste lediglich die Punkteausbeute und selbst diese Information war nicht selbstverständlich. Dafür tauschte sich Müller mit dem Bamberger Trainer über die kommenden und bereits gespielten Gegner sowie deren Stärken aus. Ansonsten hieß es, sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren. Da die Bayreuther ihren Gegnern meist körperlich unterlegen waren, fokussierten sie sich auf schnelles Spiel und versuchten die fehlenden Zentimetermit Fitness auszugleichen. Teilweise spielte Ullrich Kamm mit 1,83 m als Center! Somit erinnert die Spielweise an den Smallball, den Phoenix Hagen heute in der Beko BBL spielt.

Daserste Jahrin der Bundesliga fiel dem jungen Bayreuther Team sehr schwer und es gab anfangs viele hohe Niederlagen. In den ersten sechs Spielen kassierten die Oberfranken jeweils über 100 Punkte und der erste Sieg gelang ihnen erst am 14. Spieltag. Allerdings konnten sie sich über die Abstiegsrunde im Oberhaus halten. Das lag auch amTeamgeist der Mannschaft, der sich auch heute noch zeigt: Lediglich zwei Spieler waren bei der Ehrung verhindert und die Stimmung war sichtlich entspannt und freundschaftlich.

In 18 Spielen gab es teilweise deutliche Niederlage und nur zwei Siege. Trotzdem waren Chapman(2., 423 P.) und Kämpf(6., 354 P.) unter den Top 10 der besten Korbjäger der Liga.

Basketball vor 40 Jahren: Ein anderes Spiel

Der Basketball aus den 70ern ist nur noch schwer mit dem heutigen Spiel zu vergleichen. Das liegt nicht nur daran, dass eher wenigeSpieler in der Lage waren überhaupt zu dunken, sondern auch an den unterschiedlichen Regeln. Die 3 Punkte Linie wurde erst Jahre später eingeführt. Beim fünften Mannschaftsfoul konnte man teilweise zwischen Freiwürfen oder Einwurf an der Seitenlinie wählen. Eine Coaching Zone gab es auch noch nicht und wurde wohl erst in Deutschland eingeführt, als Svetislav Pesic sein Traineramt bei der deutschen Nationalmannschaft antrat. Für einen Angriff hatte man noch 30 Sekunden Zeit, ebenso nach einem Offensiv Rebound. Die Spieler berichten, dass die 3 Sekunden Regel in der Zone noch gepfiffen wurde und das von zwei Schiedsrichtern, die im Zweifelsfall auch mal für die Heimmannschaft pfiffen.

Ein Grund dafür könnte auch die dichte Atmosphäre im Sportzentrum sein, das sich neben der heutigen Oberfrankenhalle befindet und sich in den letzten 40 Jahren kaum verändert hat. Offiziell fasste die Halle zwar lediglich 900 Zuschauer, allerdings sahen den Spielern häufig über 1.500 Fans zu. Während heute teilweise über eine Verkleinerung der Beko BBL diskutiert wird, spielten damals nur zehn Mannschaften in Deutschlands höchster Spielklasse. In den Auszeiten wurde noch ausschließlich deutsch gesprochen, da maximal ein Ausländer im Kader stand.

In den letzten 40 Jahren gab es viele Höhen und Tiefen im Bayreuther Basketball. Inzwischen ist der Nachfolgeverein medi bayreuth wieder fester Bestandteil der Beko BBL. ber mangelnden Zuschauerzuspruch müssen sich die Verantwortlichen im Gegensatz zu Regionalligazeiten vor über 40 Jahren inzwischen sicher nicht mehr beklagen (siehe unten). Mal sehen, ob sich in 40 Jahren noch an die Spieler der aktuellen Mannschaft erinnert wird.

Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelledem Aufstiegsteam von 1976, das mir freudig von der damaligen Zeit berichtete und viele Andekdoten zu berichten wusste, den Pressesprechern von medi bayreuth und dem Historiker des Bayreuther Basketballs, Peter Habermann, der mich mit Statistiken versorgt hat.
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